In der Zeit des Nationalsozialismus fand in Braunschweig eine rege Bautätigkeit statt, in der viele Neubauten und ganze
Stadtteile aus dem Boden gestampft wurden. Ganze Straßenzüge wurden so nach dem Idealbild der Machthaber neu gestaltet und
viele der Bauten aus dieser Epoche sind auch heute noch sofort anhand ihrer Architektur zu erkennen. Nach Kriegsende wurden
aber viele der Straßennamen, die im Zuge der Baumaßnahmen vergeben worden waren, umbenannt. Dies lag zum einen daran, daß viele
Straßen nach NSDAP-Größen oder Militärs benannt worden waren, zum anderen daran, daß einige Namen mit Assoziationen weckten,
die unmittelbar nach den Krieg nicht mehr gewünscht waren. Hier einige Beispiele von Umbenennungen (in Klammern gesetzt sind
die heutigen Namen):
| Name |
Erläuterungen |
Gunter-Plüschow-Straße (Spitzwegstraße) |
Die im damaligen Fliegerviertel liegende Straße wurde nach dem Jagdflieger
Gunter Plüschow benannt, der im Jahr 1914 als einziger deutscher Pilot beim Kampf gegen den japanischen Angriff auf
Tsingtau teilnahm und 1931 durch einen Flugzeugabsturz ums Leben kam. |
Skagerrakplatz (Tostmannplatz) |
Der Hauptplatz der Schuntersiedlung wurde zu Beginn nach der Seeschlacht im Skagerrak benannt,
in der die deutsche Marine 1916 ihren einzigen größeren Sieg feiern konnte. Dabei kamen über 8000 britische und deutsche
Seeleute um. |
Admiral-Scheer-Straße (Mergesstraße) |
Im Ersten Weltkrieg war Scheer Chef der deutschen Hochseeflotte und maßgeblich für den Ausgang
der oben erwähnten Skagerrakschlacht verantwortlich. Insgesamt trugen die Straßen der Schuntersiedlung Namen mit Bezug zur
Marine. |
Horst-Wessel-Weg (Schopenhauerstraße) |
Name eines SA-Führers, der 1930 in einer Auseinandersetzung um eine Prostituierte, in die er sich
verliebt hatte, ums Leben kam. Später stellte es die Partei-Propaganda so dar, daß Wessel vom politischen Gegner umgebracht
worden sei. Er wurde fortan als Blutopfer der Bewegung hochstilisiert.
|
Braunauer Straße (Riesebergstraße) |
Der heutige Straßenname sticht etwas heraus, sind doch die anderen Straßen der Vorwerksiedlung
nach Orten und Städten in Österreich benannt. Nach der Beendigung des Nationalsozialismus kam aber wohl eine Straßenbennenung
nach Braunau, der Geburtsstadt Adolf Hitlers, nicht mehr in betracht.
|
Robert-Ley-Straße (Griegstraße) |
Ley war ab 1933 mit dem Aufbau der Deutschen Arbeitsfront (DAF) betraut. Die gesamte heutige
Siedlung Braunschweig-Südstadt wurde 1936-39 als DAF-Mustersiedlung errichtet und so war es selbstverständlich,
Ley mit der Benennung der Hauptstraße und des Hauptplatzes (der heutige Welfenplatz) nach ihm zu ehren.
|
Immelmannstraße (Kollwitzstraße) |
Diese Straße wurde nach Max Immelmann, einem deutschen Jagdflieger des 1. Weltkriegs benannt. Er
gilt als Mitbegründer der deutschen Luftkampftechnik und ist im Kunstflug noch durch die gleichnamige Flugfigur bekannt.
|
Carl-Dürr-Straße (Bunsenstraße) |
Die neuerrichtete Lindenbergsiedlung lag in unmittelbarer Nähe zu den Kasernenbauten an der Rautheimer
Straße. Vielleicht aus diesem Grund wurden die Straßen hier nach verdienten Heeresangehörigen benannt. Carl Dürr
war der Kommandeur des braunschweigischen Infantrieregiments 92, gefallen 1916.
|