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Braunschweiger Flughäfen



Braunschweig lag seit ehedem in einer verkehrstechnisch günstigen Position. Anfang der dreißiger Jahre erreichte der Mittellandkanal die Stadt bei Veltenhof, wo ein Hafen entstand. Bereits 1936 hatte Braunschweig einen Anschluß an die damals neue Autobahn erhalten und verschiedene Eisenbahnlinien trafen sich sternförmig in der Stadt.
Aber auch der Luftverkehr spielte eine große Rolle. Bereits 1916 entstand auf einem Gelände nahe Broitzem ein Militärflugplatz, in dem Fliegerersatzabteilungen ausgebildet wurden. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Flugplatz nur kurz für die Luftfahrt weitergenutzt, auf einem Teil des Geländes entstanden Schrebergärten. Erst 1924 wurde das Gelände wieder für die zivile Luftfahrt mit verlängerter Start- und Landebahn wiedereröffnet. Zwei Jahre später wurde die Flughafen GmbH gegründet und 1928 war die Deutsche Verkehrsfliegerschule von Berlin-Staaken nach Braunschweig-Broitzem verlegt worden. Es wurden hier hauptsächlich Piloten der Lufthansa ausgebildet.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann auch die erneute Aufrüstung des Landes, was dazu führte, daß das Broitzemer Gelände bereits 1934 vom Reichsluftfahrtministerium beansprucht wurde und für zivile Zwecke nicht mehr zur Verfügung stand. Dort wurden nun Kasernen für eine Aufklärungsfliegerschule der Luftwaffe errichtet. Ein neuer Verkehrsflughafen mußte gebaut werden. Man entschied sich für das Gelände bei Waggum, da dies eine spätere Erweiterung erlaubte und günstig lag. Am 29. Juni 1934 wurde die Flughafengesellschaft Braunschweig Waggum gegründet, dieser Tag gilt auch als Baubeginn des neuen Flughafens. Nach einer sehr kurzen Bauzeit wurde der Flugbetrieb bereits am 27. Mai 1936 aufgenommen. Der Flughafen galt als Flughafen erster Ordnung und bescherte Braunschweig einen Flugzeug-Boom: Bis zu Beginn des Krieges wurden oftmals 1440 Starts und Landungen täglich (!) gezählt. Zuerst handelte es sich dabei meist um kleinere Flugzeuge, 1937 wurde der Flughafen dann in das Netz der Lufthansa integriert. Braunschweig-Waggum wurde einer der am stärksten frequentierten Flughäfen Deutschlands und man hatte Tag- und Nachtflugbetrieb.

1939 wurde der Flughafen Waggum Militärflughafen. Während des Krieges fürchtete man eine verstärkte Bombardierung des Waggumer Flughafens und so wurde nahe der Ortschaft Grassel ein Scheinflughafen aus Holz angelegt, der die Aufmerksamkeit der Bomberverbände auf sich ziehen und vom eigentlichen Flughafen ablenken sollte. Diese Tarnung hielt allerdings nur kurz: 1942 warf ein britischer Flieger eine Holzbombe über dem Scheinflughafen ab. Diese soll die Aufschrift “Holz auf Holz” getragen haben (Dies ist übrigens eine Geschichte, die so oder so ähnlich von beinahe jedem Scheinflughafen erzählt wird. Ob es stimmt, ist ungewiß...).

Aufgrund der Lage Braunschweigs und der guten Infrastruktur mit dem neuen, leistungsstarken Flughafen wurde beschlossen, hier eine Luftfahrtforschungsanstalt (LFA) zu errichten. Und so entstanden fünf Institute, in denen Forschungen zur Aerodynamik, Gasdynamik und Festigkeit, sowie Waffen- und Motorenforschung betrieben wurden. Die “Luftfahrt-Forschungsanstalt Hermann Göring” - so wurde die Anlage ab 1938 genannt - beschäftigte 1500 Menschen und hatte insgesamt 60 Millionen Reichsmark gekostet. Zum Vergleich: Ein Einfamilienhaus kostete damals etwa 10.000 RM.
Während des Krieges trugen die Anlagen keine Schäden davon. Nach dem Krieg wurden dann die den Kriegszwecken dienenden Anlagenteile zerstört. 1947 wurde begonnen, an dieser Stelle die vorher in Berlin beheimatete Physikalisch-Technische-Reichsanstalt (die heutige PTB) zu errichten. Außerdem entstand die Forschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL).

Die Flughäfen verloren nach dem Krieg an Bedeutung. In Broitzem wurde der Verkehr nicht mehr aufgenommen. Nach Kriegsende 1945 pflügten Landwirte das Rollfeld zur Äckern um. Auf dem Gelände des Flugfelds wurden später Teile der Weststadt errichtet. Die ehemaligen Kasernen dienten bei Kriegsende zuerst den Alliierten und Flüchtlingen als Unterkunft. Später (ab 1980) wurden sie nach langem Leerstand renoviert und dienen heute öffentlichen Zwecken. Der Flughafen Braunschweig-Waggum blieb in Betrieb, verlor aber aufgrund der deutsch-deutschen Teilung seine zentrale Lage, was einen starken Rückgang der Flugbewegungen zur Folge hatte (heute ca. 42.000 Starts und Landungen jährlich). Er dient hauptsächlich Sportpiloten als Basis. Daneben sind dort auch noch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Luftfahrtbundesamt (LBA) ansässig.

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