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Kurze Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann im gesamten Deutschen Reich die
Remilitarisierung, so auch in Braunschweig, das zum Wehrkreis XI (Hannover) des Heeres gehörte. Zu diesem
Zeitpunkt bestanden in der Stadt bereits zwei ältere Kasernenanlagen: An der Humboldtstraße die 1843 fertiggestellte
Waterloo-Kaserne (seit 1921 Infanterie-Regiment 17) und die Mars-la-Tour-Kaserne von 1892
(nach 1920 Minenwerfer-Abteilung 17) am Altewiekring. Diese Kapazitäten reichten jedoch bei weitem nicht aus,
und so entwickelte sich eine rege Bautätigkeit für die Kasernen des Heeres und der Luftwaffe, die im Norden,
Süden und Osten der Stadt neu entstanden. 1935 konnten bereits die ersten Gebäude fertiggestellt werden: Am
Flughafen Broitzem wurde die Aufklärungsfliegerschule
der Luftwaffe übergeben und kurz vor Jahresende kamen am 20.12.1935 die Heinrich-der-Löwe-Kaserne
(Artillerieregiment 67), die Hindenburg-Kaserne (Artillerieregiment 67) und die Schill-Kaserne
(Beobachtungsabteilung 31 / 31. Infanterie-Division) dazu.
Am 27. August 1936 wurde die Siegfried-Kaserne (Nachrichtenabteilung 31 / 31. Infanterie-Division) eingeweiht.
Im Jahr 1938 folgten dann noch vier weitere Kasernen:
- Leutnant-Müller-Kaserne (8. April 1938; Panzerabwehrabteilung 31 / 31. Infanterie-Division)
- Roselies-Kaserne (4. November 1938; Fallschirminfanterie-Bataillon 1)
- Tannenberg-Kaserne (Flugzeugführerschule)
- Luftnachrichtenkaserne (Luftnachrichten-Abteilung 2; um 1962 in Husaren-Kaserne umbenannt)
Überall dort, wo Kasernen neu entstanden, wurden für die Offiziere Mietshäuser und Eigenheime errichtet.
Diese lagen entweder in unmittelbarer Nähe zu den Kasernen (wie z. B. am Bienroder Weg) oder bildeten
eigene Siedlungen (Bastholz-Siedlung).
Braunschweig wurde also in kurzer Zeit zu einer bedeutenden Garnisionsstadt aufgebaut. Als Zentrale für die
verschiedenen Abteilungen des Heeres diente ein repräsentativer Verwaltungsbau an der heutigen Schillstraße
(Bild rechts). Hier befanden sich der Divisionsstab, der Sitz der Standortverwaltung und ein Offizierskasino.
Die Abteilungen der Luftwaffe hatten ihre Kommandozentrale in der Grunewaldstraße, wo am 30.3.1938
der Bau des Luftflottenkommandos 2 feierlich eingeweiht wurde. Braunschweig war auch Sitz der
Luftwaffengruppe II (West) geworden.
An der Salzdahlumer Straße entstand ab Juli 1937 als Ergänzung zu den Kasernenbauten ein Luftwaffenlazarett,
das der Hamburger Architekt Hermann Diestel in Zusammenarbeit mit dem Reichsluftfahrtministerium entwarf.
Der Bau, dessen Hauptgebäude eine Fassadenlänge von 175 Metern hatte und dessen Grundriß einem viermotorigen
Bomber nachempfunden war, wurde 1941 der Nutzung übergeben.
Als Schießplatz dienten die Stände in der Buchhorst nahe dem heutigen Hotel Aquarius. Der Übungsplatz Herzogsberge
wurde 1935 übernommen. Im Holzmoor entstanden Lagergebäude des Heeresverpflegungsamtes.
Im benachbarten Wolfenbüttel entstand 1936 eine neue Kaserne für die Flakgarnision. In Wolfenbüttel waren
zudem weitere Fallschirmjäger stationiert.
Nach dem Krieg
Nach dem Krieg dienten die meisten Kasernen zunächst als Unterkünfte für die Besatzungsarmee, Flüchtlinge, ehemalige Zwangsarbeiter
und Displaced Persons. So war die Siegfried-Kaserne nach dem Krieg mit freigekommenen Fremdarbeitern und Flüchtlingen
überfüllt. Als Braunschweiger machte man tunlichst einen großen Bogen um die Kaserne, da es immer wieder zu Übergriffen
kam. Vor der Kaserne am Ende der Siegfriedstraße bildete sich vor der Währungsreform ein üppiger Schwarzmarkt, der
mehrfach Polizeirazzien auslöste. Nach dem Abzug der vorübergehenden Bewohner siedelten sich in einem Teil der Anlage
kleine Betrieb an, wie z.B. eine Autoreparaturwerkstatt. Danach wurde die Kaserne vom neugebildeten Bundesgrenzschutz
übernommen. Später zogen auch in viele der anderen Kasernen für lange Zeit wieder uniformierte Kräfte von
Bundeswehr und Bereitschaftspolizei ein. Erneut wurde Braunschweig eine bedeutende Garnisionsstadt. Nach dem Ende
des Kalten Krieges und der Deutsch-Deutschen Vereinigung wurden die Kapazitäten der Bundeswehr dann zurückgeschraubt.
Viele Kasernen (Tannenberg-Kaserne, Leutnant-Müller-Kaserne, Husaren-Kaserne, Siegfried-Kaserne und die Aufklärungsfliegerschule
Broitzem) werden inzwischen zivil genutzt. Der nördliche Teil der alten Heinrich-der-Löwe-Kaserne mußte dem Autobahnneubau
weichen, die restlichen Teile der Kaserne stehen zum Verkauf. Die Roselies-Kaserne wurde inzwischen verkauft, auf dem
Gelände soll ein Wohngebiet entstehen. Der Übungsplatz Herzogsberge wurde mittlerweile ebenfalls aufgegeben.
Das Stabsgebäude an der Schillstraße wurde zunächst von der Bundesbahn genutzt. Später zog dort das Versorgungsamt
des Landes Niedersachsen ein.
Das Luftflottenkommando überstand den Krieg unbeschadet und wurde danach zunächst zum Hauptquartier der britischen
Besatzungssoldaten. 1948 zog dort die Niedersächsische Erziehungsstätte ein, ein Vorläufer des
Braunschweig-Kollegs.
Das Klinikum Salzdahlumer Straße ist heute das größte Krankenhaus Braunschweigs und direkt aus dem ehemaligen
Luftwaffenlazarett hervorgegangen.
Die Flakkaserne in Wolfenbüttel wurde nach dem Krieg von der britischen Rheinarmee benutzt. Seit deren Abzug
befinden sich dort u.a. Teile der Fachhochschule Braunschweig/ Wolfenbüttel.
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